verEMFt - die Gefahren von EMFs wirklich verstehen

Stell dir einmal all die modernen elektronischen Helfer vor, die deinen Alltag begleiten: Spülmaschine, Backofen, Waschmaschine, Trockner, Heizung, Klimaanlage, Fernseher, Computer – und natürlich dein Handy.
Diese ganzen Geräte funktionieren dank einer unsichtbaren Mischung aus elektrischer und magnetischer Energie. In den vergangenen Jahrzehnten haben diese Technologien – verbunden mit WLAN und mobilem Internet – unser Leben revolutioniert. Keine Frage: Sie bieten unglaubliche Vorteile und erleichtern vieles.
Aber: Zu welchem Preis?
Die zeitsparenden Features machen es leicht, potenzielle Risiken zu übersehen. Seit Jahrzehnten warnen angesehene Forscher vor möglichen Gesundheitsfolgen durch elektromagnetische Felder (EMFs). Die Forschungsplatform EMF-Portal.org als auch die Arbeit von Dr. Mercola (Buch: EMFed) und Dr. Martin Pall sind Informationsquellen, die wegweisend sind.
Was sind EMFs?
Kurz gesagt: Es gibt viele verschiedene Arten elektromagnetischer Felder. Jede Art hat ihre eigene Frequenz, also die Anzahl der Wellen, die pro Sekunde einen festen Punkt passieren. Sie wird in Hertz (Hz) gemessen – benannt nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz.
- 1.000 Hz = Kilohertz (kHz)
- 1.000.000 Hz = Megahertz (MHz)
- 1.000.000.000 Hz = Gigahertz (GHz)
EMFs stammen aus natürlichen Quellen wie Licht oder Blitzen, aber ebenso aus menschengemachten – etwa Mobiltelefonen, WLAN-Routern, Stromleitungen oder Mikrowellen. Die Spannweite reicht von extrem niedrigen Frequenzen (3–300 Hz), wie Radiowellen, bis hin zu hochenergetischen Gammastrahlen mit einer Frequenz über 10²² Hz (s. Abb:1).

Ionisierende vs. nicht-ionisierende Strahlung
EMFs werden in zwei große Gruppen eingeteilt:
1. Ionisierende Strahlung
Diese Strahlung besitzt genug Energie, um Elektronen aus Atomen herauszuschlagen – das Atom wird zu einem positiv geladenen Ion. Ionen können freie Radikale erzeugen, die in deinem Körper wie unkontrollierte Geschosse wirken. In kleinen Mengen sind freie Radikale normal, aber im Überschuss greifen sie Zellmembranen, Proteine, Stammzellen, Mitochondrien und sogar deine DNA an.
Ionisierende Strahlung kann DNA direkt beschädigen – deshalb bekommst du auch beim Röntgen einen Bleischutz umgelegt. Zu diesen Strahlungsarten gehören:
- Neutronen radioaktiver Elemente (z. B. Uran)
- Alpha- und Betastrahlung
- Röntgen- und Gammastrahlung
Alpha- und Betastrahlen werden gut abgeschirmt, aber Neutronen, Röntgen- und Gammastrahlen sind hochgradig durchdringend und biologisch gefährlich.
2. Nicht-ionisierende Strahlung
Sie besitzt nicht genug Energie, um Atome zu ionisieren – und galt lange als ungefährlich. Doch mittlerweile weiß man: Auch nicht-ionisierende EMFs können biologische Schäden verursachen, nur über einen anderen Mechanismus.
Zu diesen Quellen gehören:
- Handys und Smartphones
- WLAN
- Babyphone
- Schnurlose Telefone
- Smart-Home-Geräte
- Mikrowellen
- Bluetooth- und Wearable-Technik
Wichtig: Nicht jede nicht-ionisierende Strahlung ist schlecht. Sichtbares Licht oder Infrarot etwa sind für die Gesundheit sogar notwendig. Aber zahlreiche Studien zeigen deutlich, dass drahtlose EMFs negative Effekte haben.
Gepulste vs. nicht-gepulste EMFs
Neben „ionisierend vs. nicht-ionisierend“ gibt es eine weitere wichtige Unterscheidung: AC vs. DC, also Wechselstrom (gepulst) vs. Gleichstrom (ungepulst).
- AC (Wechselstrom) pulsiert – ähnlich wie ein Herzschlag. Das Stromnetz liefert z.B. 50 Hz 60 Hz, je nach Land.
- DC (Gleichstrom) fließt gleichmäßig in eine Richtung. Er ist das, womit unsere biologischen Systeme arbeiten – dein Nervensystem, deine Zellen und selbst die Erde erzeugen DC-Felder.
Unser Körper toleriert DC sehr gut, AC dagegen weniger – aber AC ist technisch effizienter für Energieübertragung. Interessant ist, dass schon natürliche Störungen (über 20%) der Erdmagnetfelder (z. B. während Sonnenzyklen) zu mehr Herzinfarkte, neurologischen Problemen oder Bluthochdruckkrisen führen können.
Studien zeigen zudem, dass gepulste Funkwellen biologisch deutlich aktiver sind als ungepulste. Eine Studie konnte beispielsweise zeigen, dass die Exposition gegenüber 900-MHz-Hochfrequenzimpulsen (HF-Impulsen) Veränderungen im menschlichen EEG hervorrief, während das entsprechende Trägersignal (gleiche Frequenz, aber kontinuierlich statt gepulst) bei gleicher Expositionsdauer keine Veränderungen bewirkte.
Strahlung ist schädlich
Schäden durch ionisierende Strahlung
Ionisierende Strahlung dringt tief in dein Gewebe ein, kann DNA-Bindungen direkt zerbrechen und Wasser in deiner Zelle in extrem aggressive Hydroxylradikale verwandeln. Das führt zu:
- DNA-Brüchen
- Mitochondrienschäden
- Zellsterben
- Erhöhtem Krebsrisiko
Schäden durch nicht-ionisierende Strahlung
Hier wird es spannend: Lange behaupteten Industrie und Behörden, nicht-ionisierende Strahlung könne keinen DNA-Schaden verursachen. Doch das stimmt nicht.
Der Mechanismus ist anders, aber die Schäden sind ähnlich schwerwiegend.
Statt Hydroxylradikalen entstehen sogenannte Carbonylradikale – ebenfalls höchst destruktiv für:
- DNA
- Zellmembranen
- Mitochondrien
- Proteine
- Stammzellen
Forschungsportale wie das EMF-Portal listen über 30.000 Studien zu EMF-Wirkungen. Der entscheidende Durchbruch kam jedoch mit Arbeiten über Calcium-Mechanismen in Zellen.
Die Rolle der Kalziumkanäle (VGCCs)
Der Biochemiker Martin Pall identifizierte einen klaren biologischen Mechanismus über den Einfluss von Kalzium in die Zelle:
1. Außerhalb der Zellen ist viel mehr Calcium als innerhalb
Genauer: 20.000–100.000 Mal mehr. Das heißt, Calcium darf nur streng kontrolliert in die Zelle gelangen.
2. Die Kontrolle läuft über winzige Kanäle: VGCCs
Voltage-Gated Calcium Channels – spannungsabhängige Kalziumkanäle.
3. EMFs öffnen diese Kanäle unnatürlich schnell
Studien zeigten :
- Bereits nach 5 Sekunden EMF-Exposition öffnen sich die VGCCs
- Es strömen Millionen Calcium-Ionen pro Sekunde in die Zelle
- Dieses überschüssige Calcium zerstört Membran, Proteine, Stammzellen, den Zellkern und die Mitochondrien
Das Ergebnis:
- Weniger ATP (Energieproduktion bricht ein)
- Massive oxidative Belastung
- Vorzeitiger Zelltod
Und das wiederum führt zu freien Radikalen, DNA-Schäden und einem erhöhten Krankheitsrisiko. Besonders kritisch: EMFs erhöhen gleichzeitig Nitric Oxide und Superoxid, die sich zu Peroxynitrit verbinden – einem der aggressivsten Moleküle für biologisches Gewebe. Schon leichte Erhöhungen führen zu hundertfach mehr Peroxynitrit.
Die größten EMF-Quellen bei dir zuhause
Die stärksten EMF-Verursacher im Alltag sind:
- Smartphones, Tablets, Laptops
- WLAN-Router
- Schnurlose DECT-Telefone
- Mikrowellen
- Bluetooth-Geräte (Kopfhörer, AirPods, Smartwatches, Fitness-Tracker, Tastaturen, Mäuse, Lautsprecher etc.)
- Smart TVs & Smart-Home-Geräte
- Smart Meter (Strom, Gas, Wasser)
Je näher du an solchen Geräten bist, desto exponentiell höher ist deine Belastung. Daher: Abstand ist dein Freund.
Exposition beginnt im Mutterleib
Viele Kinder sind EMFs ausgesetzt, bevor sie überhaupt geboren sind – durch Handys, Laptops, WLAN oder Haushaltsgeräte der Mutter.
Eine Studie mit über 13.000 Müttern fand bei Kindern exponierter Mütter:
- +49 % mehr Verhaltensprobleme
- +35 % mehr Hyperaktivität
- +34 % mehr Probleme im sozialen Umgang
- +25 % mehr emotionale Schwierigkeiten
Weitere Studien zeigten:
- 2,7× höheres Risiko für Fehlgeburten bei starken EMF-Belastungen
- erhöhte Risiken für Asthma, Übergewicht und Schilddrüsenprobleme bei den Kindern
Wie du dich gegen EMFs schützen kannst
Die gute Nachricht: Du hast viele Möglichkeiten, dich zu schützen. Hier sind die einfachsten aber auch effektivsten im Alltag.
1. Vermeide unnötige Exposition – vor allem zuhause
Dort hast du die meiste Kontrolle.
Tipps:
- Handy nicht am Körper tragen
- Nicht ans Ohr halten – lieber Lautsprecher oder Kabel-Headset
- Handy nicht auf den Bauch legen
- WLAN nachts ausschalten
2. Reduziere externe EMF-Quellen
Wenn möglich, entferne oder minimiere belastende Geräte.
3. Nutze LAN statt WLAN
Eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt.
4. Miss deine Umgebung
Optimal: eine professionelle Analyse durch Baubiologen.
Kostengünstiger: eigene EMF-Messgeräte verwenden – idealerweise beides kombinieren, da sich Werte mit der Zeit ändern.
Dein Sebastian
Quellen:
Divan, H.A., Kheifets, L., Obel, C., Olsen, J., 2008. Prenatal and Postnatal Exposure to Cell Phone Use and Behavioral Problems in Children. Epidemiology 19, 523.
Li, D.-K., Chen, H., Ferber, J.R., Odouli, R., Quesenberry, C., 2017. Exposure to Magnetic Field Non-Ionizing Radiation and the Risk of Miscarriage: A Prospective Cohort Study. Sci Rep 7, 17541.
Pall, M.L., 2018. Wi-Fi is an important threat to human health. Environ Res 164, 405–416.
Sakihama, Y., Maeda, M., Hashimoto, M., Tahara, S., Hashidoko, Y., 2012. Beetroot betalain inhibits peroxynitrite-mediated tyrosine nitration and DNA strand cleavage. Free Radic Res 46, 93–99.
Vekaria, H.J., Talley Watts, L., Lin, A.-L., Sullivan, P.G., 2017. Targeting mitochondrial dysfunction in CNS injury using Methylene Blue; still a magic bullet? Neurochem Int 109, 117–125.



