Die 3 größten Longevity Mythen

Biohacking, Longevity-Supplements und Kältekammern – das Thema Langlebigkeit boomt. Doch nicht alles, was gehyped wird, hält auch wissenschaftlich stand. Hier sind drei der größten Mythen rund um das Thema Longevity – aufgedeckt und eingeordnet.
1. Rotlicht – der Jungbrunnen?
Vielleicht hast du schon gehört, dass Rotlichttherapie verjüngend wirken soll. Manche behaupten sogar, dass die speziellen Lichtwellen tief in die Haut eindringen und dich quasi „von innen heraus“ regenerieren. Klingt gut – ist aber nur halb wahr.
Tatsächlich reicht das Lichtspektrum von klassischem Rotlicht (z. B. bei 630–670 nm) nicht tief genug, um innere Gewebe nachhaltig zu beeinflussen. Die Vorstellung, Rotlicht könne „ganzheitlich“ verjüngen, ist also überzogen. Aber: Studien zeigen, dass Rotlicht sehr wohl positive Effekte auf die Haut hat – vor allem auf die Mitochondrien in den Hautzellen, die damit besser funktionieren.
Außerdem wirkt Rotlicht entzündungshemmend, was wiederum Hautalterung entgegenwirken kann. Also: Kein magischer Jungbrunnen – aber ein echter Haut-Booster.
2. Spermidin – der Autophagie-Hack?
Spermidin gilt als einer der bekanntesten Autophagie-Inducer. In Zellkulturen (in vitro) funktioniert das tatsächlich hervorragend – aber der entscheidende Punkt: In deinem Körper sieht das ganz anders aus.
Der Haken liegt in der Bioverfügbarkeit. Bislang konnte keine Studie eindeutig zeigen, dass oral eingenommenes Spermidin in relevanter Menge auch dort ankommt, wo es gebraucht wird. Das bedeutet: Du schluckst es – aber dein Körper kann es kaum nutzen.
Trotzdem bleibt Spermidin spannend. Die Forschung arbeitet bereits an neuen Formulierungen, um die Aufnahme im Körper zu verbessern. Zukünftig könnte es also technologisch veränderte Supplemente geben, die das volle Potenzial dieses Moleküls ausschöpfen. Bis dahin gilt: Hoffnung ja, Hype nein.
3. Eisbaden – je kälter und länger, desto besser?
Ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Nur bei ultra-kalten Temperaturen und langen Eisbädern (5 °C für 10 Minuten und mehr) stellt sich ein Longevity-Effekt ein. Doch das stimmt so nicht.
Schon Temperaturen unter 19 °C im Schlafzimmer können laut Studien die Bildung von braunem Fettgewebe anregen – vor allem über die vielen Kälterezeptoren im Gesicht. Braunes Fett ist extrem stoffwechselaktiv und kann langfristig helfen, Entzündungen zu senken und die Mitochondrienleistung zu verbessern.
Die Wissenschaftlerin Susanna Søberg zeigt in ihren Untersuchungen, dass bereits 14 Minuten Kältereiz pro Woche, aufgeteilt in mehrere kurze Einheiten, ausreichen können, um positive Effekte auf braunes Fett und die Mitochondrien zu erzielen.
Also: Du musst nicht frieren wie ein Polarbär. Kälte wirkt – aber smarter Einsatz schlägt extremes Leiden.
Fazit:
Longevity ist kein Wunder-Versprechen, sondern ein Prozess. Lass dich nicht von Mythen verführen – sondern informiere dich, was wirklich wissenschaftlich belegt ist. Rotlicht, Spermidin und Kälte haben alle ihr Potenzial – aber eben mit Einschränkungen. Und genau diese Details entscheiden am Ende darüber, ob du deiner Langlebigkeit wirklich einen Boost gibst – oder nur teure Placebos konsumierst.
Dein Sebastian
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