Epigenetik und personalisierte Ernährung

Aktualisiert: 19. Sept 2018

Mit Functional Nutrition sehen wir Nahrung heute als "Fuel", also als Treibstoff, der unsere Systeme antreibt. Nachdem wir Dysbalancen in den körpereigenen Systemen identifiziert haben, können wir diese mit Functional Nutrition wieder ins Gleichgewicht bringen. Die oberste Ebene der personalisierten Ernährung stellt dabei die Epigenetik dar. Mit dem Wissen, welche Nährstoffe welche Gene steuern, können wir in die Genetik eines jeden Einzelnen eingreifen und diese optimieren.


Functional Nutrition

Die Philosophie in der funktionellen Ernährung unterstreicht unser bei Geburt entwickeltes maximales Potential für Gesundheit und Leistungsfähigkeit und entfernt sich von dem Gedanken „Was muss ich zuführen, um besser oder gesünder zu werden“. Vielmehr geht es darum Dysbalancen, die unsere Gesundheit bzw. Leistungsfähigkeit einschränken, in den körpereigenen Systemen zu identifizieren, als auch zu optimieren. Der Fokus liegt dabei auf den Verdauungs-, Hormon- und Entgiftungssystemen. Die Epigenetik liefert dann auf dem obersten Level der personalisierten Ernährung die nötigen Informationen, um anhand der (epi)-genetischen Voraussetzungen Ernährungsempfehlungen zu individualisieren.


Epigenetik

Die Vorsilbe Epi kommt aus dem griechischen und bedeutet Auf. Die Epigenetik beschreibt all das was auf, bzw. um die Gene herum passiert, und die Genexpression beeinflusst. Hingegen dem heutigen Wissensstand der Epigenetik, war man früher der festen Überzeugung, dass unsere Gene ein festes und unveränderbares Konstrukt sind. „Das ist genetisch bedingt“ ist eine Aussage, die wir alle kennen. Nun heute wissen wir allerdings, dass Gene bzw. die Genexpression maximal veränderbar ist und zwar durch die Epigenetik.



Epigenetik und personalisierte Ernährung


Epigenetische Marker

Wir unterschieden heute das sog. Genom und das Epigenom. Während das Genom die Gesamtheit unserer Gene beschreibt, unser Erbgut auf unserer DNA, die allbekannte Doppelhelix, wird das Epigenom beschrieben durch sog. epigenetische Marker, die auf unserer DNA sitzen und die Genexpression steuern. Vergleichbar mit einer Software (Epigenom), die die Hardware (Genom) bedient. Diese epigenetischen Marker sind dafür verantwortlich, dass manche Gene an- oder abgeschaltet sind, als auch dafür, dass unterschiedliche Zellen, wie Muskel oder Nervenzelle unterschiedlich aussehen, obwohl sie das gleiche Genom aufweisen. Ausserdem liefern diese epigenetischen Marker auch die Erklärung dafür, warum eine Raupe und ein Schmetterling das gleiche Genom besitzen, jedoch ein unterschiedliches Epigenom, das deren Phänotyp, also das unterschiedliche Aussehen bestimmt. Gene, die mit den unterschiedlichsten Krankheiten in Verbindung stehen, wie Fettleibigkeit oder sogar Krebs wollen wir natürlich abgeschaltete haben.


Nutrigenomik

Wie können nun diese epigenetischen Marker gesetzt werden? Die Antwort ist einfach, unser Lifestyle. D.h. durch Umweltgifte, Medikamente, unser Mikrobiom, Stress und vor allem Ernährung. Die sog. Nutrigenomik befasst sich damit, wie epigenetische Nährstoffe bzw. EPI-Nährstoffe unsere Gene steuern, also an- und abschalten und dabei unterscheiden wir zwischen Methylspendern und nutrigenomischen Modulatoren.


Methylspender

Methylspender sind unser Royal Jelly. Ähnlich wie bei der Entwicklung einer Bienenkönigin, die als Larve von den Arbeiterbienen mit Royal Jelly gefüttert wird und dadurch einen größeren Abdomen und Eierstöcke entwickelt und somit einen völlig anderen Phänotyp, als die Arbeiterbienen, haben wir Menschen auch unser Royal Jelly und zwar in Form von Methylspendern. Diese EPI-Nähstoffe liefern uns die Basis, um unseren Körper mit Methylgruppen zu versorgen. Diese Methylgruppen sind essentiell für die Bildung von Creatin und Phosphatidylcolin, das entscheidend ist für unsere Zellmembran. Zudem benötigen wir Methylgruppen, um Neurotransmitter zu produzieren und abzutransportieren, Hormone auszuscheiden, zu entgiften, das Immunsystem zu unterstützen und unsere DNA zu reparieren und eben Methylgruppen in Form der sog. DNA Methylierung auf unsere Genen zu setzen. Eine methylarme Ernährung in der Schwangerschaft steht z.B. in Verbindung damit, dass der heranwachsende Fötus in den späteren Jahren Insulinresistenz bzw. Diabetes entwickeln kann. Methylgruppen sind also maximal wichtig und wir brauchen viele davon.


EPI-Nährstoffe Lebensmittel

Methionin Sesamsamen, Fisch, Paprika, Spinat, Paranüsse

Folat blättriges Gemüse, Sonnenblumenkerne, Leber

Vitamin B12 Fleisch, Leber, Meeresfrüchte, Milch

Vitamin B6 Fleisch, Vollkornprodukte, Gemüse, Nüsse

SAMe in Nahrungsergänzungsmittel

Cholin Eigelb, Leber, Soja, gekochtes Rind, Huhn, Kalb und Truthahn Betain Weizen, Spinat, Meeresfrüchte, Zuckerrüben


Nutrigenomische Modulatoren

Anderes als unser Royal Jelly liefern die sog. nutrigenomischen Modulatoren direkt Informationen an unsere Gene. Das bedeutet diese Nährstoffe führen dazu, dass unsere Gene mit Informationen beschrieben werden bzw. Informationen gelöscht werden, sich die Genexpression sozusagen direkt verändern kann. Einige dieser EPI-Nährstoffe sind unten aufgeführt, mein Favorit ist Sulforaphan, ein Nährstoff, der durch die Reaktion zweier Bestandteile aus Kreuzblütlern, wie z.B. Brokkoli, Kohl oder Sprossen entsteht. Sulforaphan liefert nicht nur wichtige Informationen an unsere Gene, sondern gilt zudem als starker Detox Nährstoff. Wer Sulforaphan genießen möchte, sollte seinen Brokkoli vor dem Kochen kleinhacken und ca. 30-40 Minuten stehen lassen.


EPI-Nährstoffe Lebensmittel

Teepolyphenole Grüntee

Resveratrol Rotwein, Nahrungsergänzungsmittel