Alles über Östrogene, PMS, Körperkomposition und weitere Probleme von Frauen

Aktualisiert: 19. Sept 2018

Östrogen – ein Steroidhormon

Die weiblichen Sexualhormone Estrogene oder auch Östrogene, je nach Literatur, gehört zur Klasse der Steroidhormone, der Grundbaustein ist daher Cholesterol — von dem uns immer gesagt wird, dass wir wohl zu viel davon haben. Ohne aber das Thema Cholesterin mit seinen Vor- und Nachteilen zu durchleuchten, sei gesagt, unsere Steroidhormone wie Estrogen, Pregnenolon, DHEA, Testosteron, Progesteron oder Cortisol brauchen es, denn Cholestrol ist der Grundstoff. 


Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus ist von zwei Phasen geprägt, die Follikelphase und die Lutealphase. Manche Männer sprechen von Dr. Jekyll und Mrs. Hyde während dieser Phasen wenn es um ihre Frauen geht, da die Hormone einen starken Einfluß auf das Gemüt haben, um das mal harmlos auszudrücken. Ich gehöre übrigens nicht zu diesen Männern und das ist an dieser Stelle an meine Freundin gerichtet;) 


Dr. Jekyll und Mrs. Hyde

Nun die Follikelphase, beginnend mit dem ersten Tag der Periode, ist stark von Estrogenen geprägt. Nach dem Abbau des Endometriums (in der Periode) reifen Follikel heran, die diese Estrogene produzieren. Der am weitesten herangereifte Follikel löst dann den Eisprung aus, der dann die zweite Phase, die Lutealphase einleitet. Diese Phase ist primär vom zweiten wichtigen Hormon im weiblichen Zyklus geprägt, dem Progesteron. Herrscht hier ein Ungleichgewicht in dieser sensiblen Symphonie der Hormone kann das Probleme auslösen und das nicht nur in Form des Gemütszustandes oder PMS (Prämenstruelles Syndrom) wie bei Dr. Jekyll und Mrs. Hyde.


Alles über Östrogene, PMS, Körperkomposition und weitere Probleme von Frauen

Auswirkungen von Östrogenen bei Frauen

In der Literatur werden sämtliche (hormonelle) Krankheiten wie Vaginitis, entzündliche Erkrankungen des Beckens, Eierstockzysten und Mittelschmerz, Endometriose, Fibromyome des Uterus, PCOS oder sogar Krebs mit diesen Ungleichgewichten assoziiert. Ein häufiges Problem dabei, es wird mit künstlich hergestellten Hormonen versucht entgegenzuwirken, die Resultate sind meist bescheiden. Ein weiteres stark verbreitetes Problem für Frauen im Zusammenhang mit Estrogenen ist die Bestimmung der Körperkomposition. Unterschiedlichste Untersuchungen deuten daraufhin, dass Estrogene für die Gynoide (Birnen) Form (hingegen Cortisol für die Apfelform — Bauchfett) verantwortlich sind. D.h. das Fett wandert in Richtung Oberschenkel. Und wer sich wundert, warum man nicht an den gewünschten Stellen abnimmt, findet häufig die Antwort eben im Hormonsystem. Zudem kommt es hier zur Teufelsschleife. Da Estrogene nicht nur in den Ovarien gebildet werden, sondern auch im Fettgewebe, wird dieser Effekt noch verstärkt, je mehr Körperfett man sich aneignet.


Auswirkungen von Östrogenen bei Männern

Nun beide Geschlechter produzieren sowohl Testosteron als auch Estrogene, nur in unterschiedlichen Mengen. So produzieren Männer eben auch Estrogene. Und je mehr Körperfett desto mehr Estrogene, desto mehr Man Boobs (Männerbrüste oder Hängebrüste)! Was??? Richtig, das machen Estrogene. Aber das ist nur das geringste Übel. Neben den sog. Man Boobs führen Estrogene dazu, dass der kleine Freund nicht mehr so richtig mitmacht. Nein, wir Männer wollen keine Estrogene! Ein weiteres Problem, wir nehmen sehr viele davon auf, nämlich in Form von Umweltgiften, wie Rauche, Hormonrückstände in Leitungswasser, Plastik, Lacken usw. Diese Umweltgifte kommen zwar in Mikrodosen vor und uns wird immer weisgemacht, dass uns diese keinen Mengen nicht Schaden. Aber genau diese kleinen Dosen können starke hormonelle Auswirkungen haben.


Epigenetik und Östrogene

Aus epigenetischer Sicht, also aus der Sichtweise, was alles unsere Genetik beeinflusst, können diese Umweltgifte zur Gefahr werden, nämlich wenn sie die Verstoffwechselung und Entgiftung der Estrogene behindern. Aber erst mal von vorne.


Die Guten, Bösen und Schrecklichen

Um Estrogene zu aktivieren müssen diese erst den Stoffwechselprozess der sog. Hydroxilierung durchlaufen. Hierbei können durch die Zugabe einer Hydroxylgruppe aber schädliche Wirkungen, sogar krebsfördernde Eigenschaften entstehen. Die sog. Methylisierung sorgt dafür, dass Estrogene wieder deaktiviert werden. Bei der Detoxifizierung (entgiftung) werden die Estrogenendprodukte ausgeschieden. 


Hydroxilierung

Die Enzyme, die die Hydroxilierung aktivieren gehören zur Gruppe der CYP 450 (Cytochrom P450). Diese Enzyme werden übrigens auf für die Metabolisierung von Drogen, Pharmaka und Umweltgifte verwendet, hier aber später mehr. Wenn nun beispielsweise ein Estrogen über das CYP1B1 (ein Enzym aus der CYP 450 Gruppe) hydroxiliert wird, entsteht das Molekül 4OHE (4 Hydroxyestron), ein Estrogen-Zwischenprodukt, welches wiederum sog. Quinone produzieren können. Und diese sind in der Lage sehr unangenehme Kettenreaktionen auszulösen, wie z.B. die Produktion von Superoxiden, Wasserstoffperoxid, Lipid Peroxide, welche die DNA schädigen und krebserregend (Brustkrebs) wirken können. Während wir das 4OHE zu den „schrecklichen“ Estrogenen zählen, gilt das 2OHE als das Gute, da es sogar positive Eigenschaften zeigt und ein schwaches Estrogen ist, und das 16OHE als das Böse. Deshalb gilt es immer den bevorzugten Pfad der 2OHE Hydroxilierung zu bevorzugen. Mehr dazu unter Functional Nutrition (s. unten).


Methylierung

Während die Hydroxilierung die Aktivierungsphase darstellt, gilt die Methylierung als Deaktivierungsphase. Die Methylisierung ist einer der wichtigsten Mechanismen, um die toxischen Auswirkungen von Estrogenen, wie die Schädigung der DNA vorzubeugen. Durch die Zugabe einer Methylgruppe zu einem hydroxiliertem estrogen neutralisieren wir dieses sozusagen. Manch methylierte Estrogene zeigen sogar protektive Eigenschaften, wie z.B. für das Herzkreislaufsystem, und antikarzinogene Wirkungen, durch die Förderung des Zellsterbens von Tumorzellen (2-Methoxy Estron). (Da Methylierung aber auch Zellwachstum fördert ist bei Krebspatient Vorsicht geboten bei zu starker Methylierung.) Um die Methyliseirung von Estrogenen in Gang zu bringen benötigt man das Enzym COMT (catechol oxygen methyltransferase). COMT holt sich dabei seine Methylgruppe von SAMe (mehr dazu s. Artikel Epigenetik, MTHFR und Functional Nutrition).


Detox

Die aus der Hydroxilierung enstandenen Quinone (3.4 Quinone — s.oben), welche aus dem 4OHE entstehen, sind in der Lage unsere DNA zu schädigen. Und natürlich hat unser Körper dafür ein Back-up-System für diese potentielle Gefahr, nämlich die sog. Glutathion Transferase. Glutathion ist unser super starkes antioxidatives Abwehrsystem. Glutathion Transferase Enzyme schnappen sich diese Quinone und halten sie davon ab Schäden an der DNA zu verursachen. Genetisch gesprochen sind das GSTM1 und das GSTP die relevanten Glutathion Transferase Gene. Für eine adäquate Glutathionproduktion, und -Verwendung (bei exzessivem Gebrauch entsteht Glutathion Disulfid, GSSH) brauchen wir genügend Rohstoffe, weshalb der ganze Methylierungszyklus (s. Artikel Epigenetik, MTHFR und Functional Nutrition) die Glutathionproduktion und -Verwendung beeinflusst. Auch die Funktion von NADPH (für die Glutathion Reduzierung)) ist wichtig, da es verbrauchtes oxidiertes Glutathion wieder „regeneriert“. Vorsicht bei Schilddrüsenproblemen (vor allem bei Konvertierungsproblemen von T4 zu T3), da hier ein NADPH-Defizit entstehen kann.

Nach der Verstoffwechselung der Estrogene müssen die Zwischenprodukte allerdings noch entgiftet, bzw. ausgeschieden werden und das geschieht über die Sulfatierung oder die Glucoronidierung. Die Estrogenzwischenprodukte werden hierbei erst zur Galle befördert, wo sie sich mit Glucoronieden verbinden. Diese gebunden Hormone (auch andere Hormone, Gifte und Drogen) werden dann über den Darm ausgeschieden. Ca. 95% der Galle wird allerdings wieder zurück in unser System befördert, was bedeutet, dass die vermeintlich auszuscheidenden Gifte wieder zurück katapultiert werden können. Das verantwortliche Enzym dafür ist die sog. ß-Glucoronidase. Diese gilt es zu hemmen, um eine optimale Entgiftung zu gewährleisten.